Corporate Blogging im Dornröschenschlaf

Da mein Job an der Schnittstelle zwischen IT und Öffentlichkeitsarbeit liegt, werde ich öfters zu meiner Einschätzung in Sachen “Corporate Blogging” gefragt. Meist neutral, oft aber auch akquisitorisch (”Könnts ihr des ned amal in einer Kampagne einplanen?”). Meine Antwort darauf ist ziemlich desillusionierend: Wozu???. Natürlich behaupte ich das nicht aus einer schlechten Laune heraus, vielmehr gibt es handfeste Gründe dafür.

  • Professionalität. Blogging ist eine persönliche und spontane Kommunikationsform, professionelle Öffentlichkeitsarbeit setzt ein hohes Maß an Planung und Arbeitsteilung voraus. Keine Aussendung, die nicht über mindestens 4 Schreibtische wandert. Ein ganzes Team an Kommunikationsspezialisten, Rechtsanwälten und Lobbyisten wacht über jede Veröffentlichung eines Unternehmens. Aus gutem Grund: bei AGs müssen kursrelevante Informationen (Neuakquisitionen, Produktentwicklungen) über gesetzlich definierte Kanäle publiziert werden, bei kleineren Unternehmen gibt es oft die”Wir sprechen nicht über ungelegte Eier“-Devise: vorschnelle Produktankündigungen spielen dem Mitbewerb in die Hände oder wecken falsche Kundenerwartungen.
    Warum sollte man dann gerade im Internet fahrlässig mit den eigenen Botschaften umgehen? Natürlich könnte man einem Blog-Eintrag den oben beschriebenen Validierungsprozess vorschalten, nur ist es halt dann kein Blogeintrag mehr, sondern eine in Wordpress/Blogger/whatelse publizierte Aussendung.
  • Person vs. Funktion: Gute Blogger transportieren sehr viel Persönliches in ihren Texten, weil ihnen diese Publikationsform maximale Audience UND Anonymität ermöglicht. Aus diesem Grund werden Corporate Blogs auch als Personality Tool verkauft, mit denen (frischberufene) Executives ihr Profil nach Innen (Mitarbeiter) und Außen (Öffentlichkeit) schärfen können. Für mich geht diese Argumentation nach hinten los. Um ein fikitives Beispiel zu bemühen: in diesem Blog könnte ich pointiert von einer ausführlichen Barolo-Verkostung schreiben und hätte mich als sympatischen Genußmensch positioniert. Wenn unser Nachwuchsmanager das unter dem Stichwort “Personality” in einem Corporate Blog macht und zufällig eine Woche später die Kantinensubvention der Mitarbeiter kürzen müsste, wäre wohl der Skandal perfekt. (Auch unser Kanzler ist bereits in diese Falle getappt). Im geschilderten Fall wäre auch das Bloggen von Charity-Aktivitäten sinnlos (”Für die schmeissens Geld raus und uns nehmen’s es weg“).
  • Alternative Tools: Natürlich lässt sich ein Corporate Blog für verschiedenste Publishing-Aufgaben im Unternehmen einsetzen, dummerweise werden die meisten davon von anderen Tools besser abgedeckt: Klassische Intranets, die vom Mitarbeiterporträts bis zu den Company Guidelines alles hosten, sind mit modularen Content Management Systemen besser implementierbar. Statusberichte in Projekten werden in entsprechenden PM-Tools verfasst, für den User-Support und Knowledge-Management bieten sich Foren und Wikis an.

In meinem (über?)nächsten Post werde ich meine Theorien durch praktische Beispiele untermauern - Corporate Blogger, nehmt euch in Acht ;-).

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